Zum Hauptinhalt springen

Zwischen Wertschätzung und Diskriminierung: Studierende der Fakultät Soziale Arbeit untersuchen Vielfalt an der Hochschule Landshut

Die Hochschule Landshut entwickelt ihre Studienbedingungen im Zuge stetiger Qualitätsverbesserung. Dazu gehört auch die dritte Wiederholung einer hochschulweiten Erhebung zum Umgang mit Vielfalt.

Screenshot der Forschungswerkstatt vom 7.7.2021
Screenshot der Forschungswerkstatt vom 7.7.2021

Eine Seminargruppe des 6. Semesters in der Fakultät Soziale Arbeit hat im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes unter der Leitung von Prof. Dr. Barbara Thiessen und Elisabeth Sommer (M.A.) untersucht, welche Erfahrungen Studierende der Hochschule Landshut mit Vielfältigkeit machen. Durch eine Online-Umfrage und acht Gruppendiskussionen konnten die jungen Forschenden Daten zu Wertschätzungs- und Diskriminierungserfahrungen aufgrund von Beeinträchtigung (körperliche, psychische, chronische Erkrankung oder Behinderung), Familienverantwortung, Geschlecht, soziale und ethnische Herkunft, Religion/Weltanschauung, sexuelle und geschlechtliche Orientierung sowie Alter erheben und auswerten.

Die Ergebnisse wurden am 7.7.2021 vor der Hochschulleitung, den Fakultätsleitungen, Verwaltungsmitarbeitende, Studierenden und den hochschuleigenen Beratungsstellen vorgestellt.

Hochschule Landshut wird ganz überwiegend positiv erlebt

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen: Die Hochschulleitung kann mit den Ergebnissen zufrieden sein. Studierende schätzen die Überschaubarkeit der Hochschule, die einen persönlichen Umgang auch mit Professor*innen ermöglicht. Begrüßt wird, dass bei Baumaßnahmen der letzten Jahre Vielfältigkeit bereits strukturell berücksichtigt wurde. Das zeigt sich in baulichen Gegebenheiten für seh- oder hörgeschädigte Menschen, der Einrichtung eines Familienraumes, dem Angebot eines Gebetsraumes der von Angehörigen aller Religionen genutzt wird oder der Bereitstellung genderneutraler Toiletten. Die Studierenden bestätigen, dass das Thema Vielfalt sowohl in der Hochschule insgesamt, als auch bei Lehrenden und Kommiliton*innen wahrgenommen wird.

Der Campus ist vergleichsweise divers – es wird aber in Gruppen zumeist unter Gleichen geblieben

Weil die studentischen Forschenden einen Beitrag zur Strategieplanung leisten, erarbeiteten sie Handlungsempfehlungen zur weiteren Verbesserung der Hochschule. Dazu haben sie Diskriminierungserfahrungen Studierender in ihre Analyse mit einbezogen. Studierende erleben den Campus als einen Ort an dem Diversität stärker sichtbar ist, als in ihren üblichen Lebensräumen, vor allem wenn es sich dabei um ländliche Regionen handelt. Gleichzeitig ist ihr Bewusstsein für Diskriminierungserfahrungen seitdem die Studie im Jahr 2014 zum ersten Mal durchgeführt wurde gewachsen. Festgestellt wurden Fälle, wo die Vielfältigkeitsmerkmale einzelner Studierender oder von Studierendengruppen zu Benachteiligung führen. Beispiele dafür sind etwa sexistische ‚Witze‘ im (digitalen) Hörsaal, abwertende Bemerkungen zu Studierenden mit Beeinträchtigung oder das Übergehen von Einschränkungen bei Studierenden, die Kinder oder Pflegebedürftige betreuen. Diversitätskompetente Einrichtungen wie die Hochschule Landshut zeigen: Mehr Selbstverständlichkeit in der Mitteilung von erlebten oder beobachteten Diskriminierungserfahrungen ist notwendig, damit Vielfalt nicht zu Diskriminierung führt.

Lehrforschungsprojekt liefert wichtige Impulse für die weitere Strategieplanung

Damit sich die Hochschule Landshut mit Blick auf Gleichbehandlung und Diversität weiter entwickeln kann, referierten die Forschenden folgende Bausteine: Es braucht Angebote zur Sensibilisierung von Studierenden und Dozent*innen, damit auch zukünftig schneller und präziser Benachteiligungserfahrungen erkannt und vermieden werden. Gleichzeitig befördert dieser Schritt Wertschätzungserfahrungen bezogen auf diverse Lebenslagen und Lebensformen von Studierenden. Dazu sollte Vielfältigkeit mit all ihren Aspekten fakultätsübergreifend in die Lehre integriert (z. B. in Lehrbeispielen) und hochschulweit in der Öffentlichkeitsarbeit sichtbar sein. Hier hat sich die Hochschule seit einigen Jahren bereits auf den Weg gemacht.

Deutlich wurde auch: Wenn Diskriminierungsfälle auftreten, braucht es ein klares Vorgehen. Diskriminierung muss zum hochschulöffentlichen Thema gemacht werden und hilfreich sind verbindliche Verfahrensregeln die in jedem individuellen Fall Sicherheit und Transparenz für alle Beteiligten bieten.

Mit dieser Vielfalts- und Gleichstellungsstrategie, die an der Hochschule bereits vor einigen Jahren verabschiedet wurde, positioniert sich die Hochschule Landshut entschieden gegen menschenfeindliche Verhaltensweisen und beweist sich selbst als lernende Organisation. Diskriminierung wird damit unwahrscheinlicher und Betroffene erfahren einen wertschätzenden Umgang sowie Entlastung. Der Präsident der Hochschule, Prof. Dr. Fritz Pörnbacher, betonte im Anschluss der Präsentation die Bedeutung der Ergebnisse. Die Erhebung sei „ganz wichtig für die Hochschule und für die Gesellschaft und eine gute Basis für die weitere Arbeit“. Die Studierenden freuten sich über die Anerkennung und die Wertschätzung ihrer Ergebnisse.

Bei Unterstützungsbedarf etwa im Fall von Diskriminierungen können sich Studierende an die Beratungsstellen und Servicestellen der Hochschulen wenden:

https://www.haw-landshut.de/studium/service-und-beratung.html
Screenshot der Forschungswerkstatt vom 7.7.2021